Samstag, 29. Juni 2013

Alle Tassen



Wer oder was bestimmt überhaupt, wann man alle Tassen im Schrank hat oder nicht? Und warum ist man dann krank? Vielleicht sind alle die krank, die alle Tassen im Schrank haben.
Werden wir erst krank, wenn einer sagt, Du hast nicht alle Tassen im Schrank, vielleicht, weil du so nicht in die Gesellschaft passt. Führt uns das zum Opfer-Bewusstsein :"Ich bin ein armes krankes Menschlein.", raus aus der eigenen Kraft, aus dem Vertrauen in uns selbst, Aufgaben lösen zu können.
Ich weiß, wie es ist, vor Angst sich nicht mehr rühren zu können, nicht mehr rausgehen zu können, sich zu verkriechen, Angst die mich vollkommen eingenommen hat, die, wie mir schien, jede Zelle besetzt hatte. Bin ich deshalb krank gewesen? Nein, es war einfach Angst da und es war gut, das es jemanden gab, mit dem ich reden konnte, der mich hinter die Angst geführt hat, einen Weg gezeigt, der mir klar gemacht hat, das die Angst ok ist, sie mein Freund sein kann, weil sie mir etwas zeigen möchte, mich führen möchte. 
Ich hatte auch die Möglichkeit, die vom Arzt verschriebenen Medikamente zu nehmen. Ich hätte mich krank fühlen können und für die nächsten Jahre stillgelegt im Kopf, abhängig von Pillen.
Ich bin sehr froh, diesen Weg nicht gewählt zu haben.
Nicht alle Tassen im Schrank? Na und? Genau, aber dann lasst bitte das Kleingedruckte weg.

Mittwoch, 19. Juni 2013

Die Raupe und der Schmetterling

Das stelle ich einfach mal so rein :

Johann Gottfried Herder

Die Raupe und der Schmetterling

Freund, der Unterschied der Erdendinge
Scheinet groß und ist so oft geringe;
Alter und Gestalt und Raum und Zeit
Sind ein Traumbild nur der Wirklichkeit.

Träg und matt, auf abgezehrten Sträuchen,
Sah ein Schmetterling die Raupe schleichen;
Und erhob sich fröhlich, argwohnfrei,
Daß er Raupe selbst gewesen sei.

Traurig schlich die Alternde zum Grabe:
"Ach, daß ich umsonst gelebet habe,
Sterbe kinderlos und wie gering,
Und da fliegt der schöne Schmetterling!"

Ängstlich spann sie sich in ihre Hülle,
Schlief, und als der Mutter Lebensfülle
Sie erweckte, wähnte sie sich neu,
Wußte nicht, was sie gewesen sei.

Freund, ein Traumreich ist das Reich der Erden.
Was wir waren?  Was wir einst noch werden?
Niemand weiß es; glücklich sind wir blind;
Laß uns eins nur wissen, was wir sind.

Wut

In meinem Umfeld hatte ich letzte Woche einen heftigen Zwischenfall. Es ging um eine Lebenssituation, die demjenigen den Boden unter den Füßen weggezogen hat, um Haltlosigkeit, um Verletzsein, um Wut. Schiere Wut, die sich in Handgreiflichkeiten und Gewalt ihr Ventil gesucht hat. 
Es wäre leicht, an dieser Stelle zu verurteilen. Wir sind sehr schnell mit den Worten Schuld und Recht. Das Leben hat viele Seiten und alle sind richtig und wichtig.

An dem Zwischenfall waren ein paar Menschen beteiligt, obwohl es im Grunde nur zwei Menschen betraf, was von außen betrachtet, hätte Zufall sein können. Wenn ich aber alle Aktionen und Reaktionen der einzelnen Menschen betrachte, wie in jedem der eigene Kosmos ins Schwingen gebracht wurde, was es in jedem ausgelöst oder freigelegt hat, ist auch hier nichts Zufall. 
Jeder nimmt etwas für sich mit. Vielleicht hat es gerade diese Heftigkeit gebraucht, um etwas in Gang zu setzen.

Im letzten Newsletter (Mitte Juni 2013) von Robert Betz waren ein paar wichtige Gedanken zum Thema Wut oder Ärger. Ich habe die Punkte einfach mal angehangen und möchte auch auf das Abendseminar am 20.06.2013 20.15 Uhr zu diesem Thema hinweisen.

Hier ist der link dazu :  

live-Abendseminar Robert Betz      (kostenlos)



  • Alle Menschen, über die wir uns ärgern oder an denen wir uns reiben, können für uns Wegweiser zum Frieden mit uns selbst sein. Sie gehören zu den wichtigsten Menschen in unserem Leben, die uns auf einen Unfrieden in uns selbst aufmerksam machen.

  • Wenn ein Mensch ein unangenehmes Gefühl wie Ärger oder Wut in uns auslöst, dann war dieses Gefühl schon vorher in uns. Es ist fast immer die Wut des kleinen Kindes in uns. Aber in der Regel verdrängen wir solche Gefühle und erkennen sie nicht als unsere eigene Schöpfung.

  • Wenn wir unsere Verantwortung für dieses Gefühl übernehmen und es als unser Gefühl in Besitz nehmen, indem wir nach innen gehend sagen: „Du bist meine Wut. Ich habe dich einmal erschaffen und lange abgelehnt, dich zu fühlen. Heute bin ich bereit dich mit Liebe zu fühlen“, dann können wir diese Gefühle in uns in Frieden und Freude verwandeln (das geht über verschiedene Meditationen, u.a. mit „Frieden mit deinen ‚Arsch-Engeln‘“).

  • Wir lehnen am Anderen meist etwas ab (Eigenschaften oder Verhaltensweisen), was wir auch an uns selbst ablehnen oder was wir nicht sein wollen.

  • Oft erinnert uns dieser ‚schwierige‘ Mensch an einen Menschen aus unserer Vergangenheit, mit dem wir bis heute noch nicht im Frieden sind (oft sind es Vater, Mutter, Bruder oder Schwester).

  • Jeder wütende Mensch ruft mit seiner Wut nach Liebe. Sobald wir anfangen, uns selbst und unsere Wut zu lieben (indem wir sie als die Wut des Kindes in uns erkennen und dieses Kind lieben lernen), können wir unser Herz für den anderen öffnen und ihm innerlich mit Liebe begegnen (wenn er im Außen für solch eine Begegnung noch nicht offen ist)

  • Die innere Begegnung mit einem Menschen (im Rahmen einer Meditation) ist weit wirkungsvoller, heilsamer und friedensstiftender als der Versuch, mit dem Anderen zu reden. Begegnen wir Partner, Kind, Chef, Kollegen, Kind, Bruder, Vater, Mutter, Schwester etc. im Inneren im Rahmen eines Friedens- und Befreiungsrituals, spürt der andere dies und er beginnt – oft schon nach kurzer Zeit – sich anders uns gegenüber zu verhalten, weil sich unsere Ausstrahlung, unser Resonanzfeld, geändert hat.
  • Dienstag, 11. Juni 2013

    Grau

    Manchmal scheint grau alle Realität. Meistens ist es unsere eigene Wahrnehmung, unsere eigener Film, unsere Sphäre. Es gibt Momente, in denen diese graue Realität viele anspricht. Bilden wir dann eine Gruppe... "Hallo, mein Name ist Dirk, mir ist so grau.", "Hallo, mein Name ist Silke, es geht mir wie meinem Vorredner." ?
    In einem kleinen Büchlein von Ralf Mooren und Brigitte Papenfuß ( Wenn der Kaffee nach Salz schmeckt ) habe ich, aus dem Blickwinkel der Physik erklärt, gelesen, dass erst unsere Sicht Realität erschafft und das im Grunde alles Energie ist, aus der wir, weil wir diese Erfahrung machen wollen, die perfekte Illusion erschaffen, in der wir aus der Erfahrung lernen. Wir, das bedeutet das übergeordnete Bewusstsein, die Energie der bedingungslosen Liebe, das woher wir kommen und wohin wir gehen, sobald wir mit unserer Erfahrung fertig sind.
    Also kann ich bewusst wahrnehmen, was ich da erschaffen habe und mich in diese Erfahrung mit jedem Atom, Proton, Elektron und sonstigen geladenen und ungeladenen Teilchen in voller Inbrunst stürzen.
    GRAU GRAU GRAU GRAU GRAU GRAU GRAU GRAU GRAU GRAU GRAU GRAU
    ;)


    Donnerstag, 6. Juni 2013

    Gemeinschaft Fluthelfer

    Gestern Abend saß ich Silke auf dem Marktlatz in Halle an der Saale. Die Saale spielt in diesen Tagen ein große Rolle für die Stadt. Ihr Pegel ist um 5 Meter angestiegen, somit hat der Fluß die Stadt in großen Bereichen überflutet und viele Menschen in arge Bedrängnis gebracht.
    Auf dem Markt, hätte man meinen können, fände ein Volksfest statt. Die Menschen wuselten, laut schallte die Musik und manch fröhliches Geschrei hätte zu einer Veranstaltung irgendeiner kultigen Band gepasst.

    Dabei war eine große Gemeinschaft beim Sandsäcke füllen und auf Transporter verladen beschäftigt. In großen Menschenketten wurde tausende Säcke von Hand zu Hand gereicht, es wurde geschwitzt, erzählt, gelacht, getanzt, gemeinsam gevespert.

    Ein schönes Bild.

    Ich habe das Gefühl, die Menschen lieben diesen Moment. Gemeinschaft. Zusammen etwas schaffen. Ohne Doktrin, ohne schnöden Mammon. Früher haben wir Kirchen gebaut, Stadtanlagen usw. Das waren Gemeinschaftsprojekte, die alle verbunden haben. Heute steht jeder sehr allein mit all seinen Themen, Ängsten, seiner Liebe, seiner Gabe.
    Unsere Gesellschaft hat das Individuum gefördert, den Menschen als funktionierendes zahlendes Etwas instrumentalisiert.
    Das wir von unserem Ursprung, gemeinschaftlich das Zusammenleben zu organisieren, uns dabei zu entwickeln, zu befreien und unsere Gaben zu leben, noch nicht soweit entfernt sind, zeigen solche Momente, auch wenn sie aus einem Zwang heraus passieren. Das ist wie mit Krankheiten, sie zeigen uns unsere Sehnsüchte, unsere Zwänge, Ängste, inneren Verletzungen, die danach rufen, angenommen und gelöst zu werden. Wir reagieren oft erst, wenn uns das Schlimmste droht.

    So bringt der wilde ungebändigte Fluss vielleicht etwas ins Fließen.