Mittwoch, 28. Januar 2015

Hüter der Erinnerung

Ich habe gerade einen Film gesehen - Hüter der Erinnerung.

Ein Bild eines Lebens ohne Farbe, ohne Emotionen, ohne Liebe, Wut, vollkommen geregelt und überwacht. Nur der Hüter der Erinnerung hat eine Sicht auf das, was war, kommt mit all dem in Berührung, was vor allen anderen verborgen wird, um die Ordnung nicht zu zerstören.

Der Film hat mich auf verschiedenen Ebenen berührt.

Zum einen auf meiner ganz persönlichen, in meiner psychotherapeutischen Ausbildung lerne ich so viel über mich selbst, komme an Gefühle und Emotionen, die so tief in mir verborgen waren, dass ich gar nicht wusste, dass sie in mir existieren. Grau und emotionslos, jede Kante, jede Ecke weggebügelt, alle Gefühle verschüttet unter einem riesigen Haufen Abhängigkeiten, Moral, Identitäten usw. Es ist schön, dass doch alles in mir vorhanden blieb, als wäre ich mein eigener Hüter der Erinnerung, und ich Schippe für Schippe den Haufen abtragen kann. Die Welt ohne Gefühle ist grau und genauso hat es sich in mir angefühlt. Ich bin nicht immer glücklich, das Verborgene zu sehen, es ist anstrengend und schmerzvoll. Und doch kommt Farbe, Liebe, Fülle, Lebendigkeit in mein Leben. Es ist manchmal, als würde ich mir in einem Traum begegnen und ich sähe jemanden, der mir bekannt vorkommt und doch so fremd ist, aber ich weiß genau, dass ich ihn kenne. Ich nähere mich dem, was ich mein Selbst nennen würde, in dem einfach alles da sein darf.

Im Film wurde alles und jeder überwacht, alles war geregelt. Keine Berührungen, keine Emotionen, keine Geburt, keine Tod, keine Liebe, keine Farben, nicht einmal Tiere gibt es. Alle leben nach den gleichen Regeln. Und alles, um sich selbst, die Menschheit im Griff zu haben.
Angesichts des Chaos, was der Mensch auf der Erde anrichtet, ein verständlicher Impuls. Nur würden wir uns zu ausgefeilten Bionikmaschinen degradieren.

Ich habe keine Ahnung, wie man das Leben auf der Erde entwickeln könnte, dass es ein Miteinander, ein Ganzes werden kann. Eins scheint mir jedoch klar, ein jeder muss sich an die eigene Nase fassen und Eigenverantwortung übernehmen. Es ist zu einfach, sich dem "System", der Religion, dem Chef, dem Geld oder was auch immer unterzuordnen und sich darauf zu beziehen, dass man ja gar nicht anders könnte, selbst wenn man wollte. Damit begibt man sich ins "Grau" und weit weg von dem was unsere Menschlichkeit auszeichnet, Liebe, Mitgefühl, Verantwortung, Freiheit, ja selbst vom Göttlichen in uns, von unserer Anbindung an das Ganze.





Montag, 19. Januar 2015

Ich suche nicht...

Ich suche nicht - Ich finde
Suchen, das ist das Ausgehen von alten Beständen
Und das Finden-Wollen von bereits Bekanntem.
Finden, das ist das völlig Neue.
Alle Wege sind offen,
und was gefunden wird, ist unbekannt.
Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer.
Die Ungewissheit solcher Wagnisse
können eigentlich nur jene auf sich nehmen,
die im Ungeborgenen sich geborgen wissen,
die in der Ungewissheit geführt werden,
die sich vom Ziel ziehen lassen
und nicht selbst das Ziel bestimmen wollen.


Pablo Picasso

Diesen kleinen Text hat eine Freundin auf Facebook gepostet. Er berührt mich, ich fühle, dass ich im Grunde oft schon die Erfahrung des Finden gemacht habe, aber noch nicht wirklich das Vertrauen entwickeln konnte, das Suchen als eine Art Sicherheit loslassen zu können.

Geduld mit mir und das Einlassen auf das Leben werden mir behilflich sein.